Ateliers Claus in Brüssel: Musikalische Ausnahmezustände

Thurston Moore, Cate le Bon, Caspar Brötzmann und die Sleaford Mods gehören zu den bekanntesten Acts, die hier auftreten. Doch auch jenseits von ihnen lautet in den Brüsseler Ateliers Claus das Konzept vor allem: schiere Intensität.

Musikalische Welten entstehen lassen: Wenn Tommy de Nys das Programm für die Ateliers Claus zusammenstellt, arbeitet er mit einer Wunschliste statt mit Booking Agenturen. (Fotos: Patrick Galbats)

Auch diese Geschichte war eigentlich anders geplant. Denn wer denkt schon daran, ein Porträt über einen Konzertort zu schreiben, wenn nicht mal ansatzweise absehbar ist, wann überhaupt wieder Konzerte stattfinden können? Vor gut zwei Monaten sah das noch weniger trostlos aus. Erst recht für einen kleinen Schuppen wie die Ateliers Claus. Klar war da schon von Corona die Rede. Doch gerade einmal 180 Leute passen in den Laden rein, um den es hier geht. Nicht unbedingt die Dimension von Großveranstaltungen, die man in Belgien Ende Februar wegen des Virus zu verbieten überlegte. „Ich glaube kaum, dass Veranstaltungen unserer Größe betroffen sein werden“, sagt Programmkoordinator Tommy de Nys damals nach dem Interview zum Abschied. Nun, Anfang Mai, ist der im Brüsseler Stadtteil Saint Gilles gelegene Club bereits seit fast zwei Monaten zu.

Auch das Personal der Ateliers Claus ist von der Krankheit nicht verschont geblieben, erzählt de Nys, dieses Mal am Telefon. Jemand von der Theke hat glücklicherweise nur leichte Symptome, doch der Türsteher rappelt sich nach Krankenhausaufenthalt, drei weiteren Wochen zuhause und heftigsten Lungenschmerzen erst jetzt langsam auf. Immerhin. Wann seine Dienste am Einlass wieder benötigt werden, vermag derzeit niemand zu sagen. Denn Gäste werden hier in absehbarer Zeit nicht erwartet. „Das ganze Bier läuft im Sommer ab“, sagt de Nys, „irgendwann werden wir es wohl einfach verschenken“.

Ein Krisengewinn, über den sich wohl kaum einer der Beschenkten richtig freuen wird. Öde, zuhause zu trinken, wo es doch eigentlich mit den Ateliers Claus eine Adresse gibt, wo belgisches Bier und Live-Musik eine perfekte Symbiose eingehen.

Von außen lässt sich auf den ersten Blick kaum erahnen, dass sich hier die „Großen“ der verschiedenen musikalischen Undergroundszenen die Klinke in die Hand geben: Der japanische Multiinstrumentalist Keiji Haino etwa, der mit seinen teils improvisierten Stücken im Bereich zwischen Noise, Free Jazz und Rockmusik umher mäandert. Sein vor allem als Gitarrist bekannter Kollege Fred Frith. Die Singer-Songwriter-Legende Michael Chapman. Die jazzigen Punkmusiker des niederländischen Kollektivs The Ex, die mit ihrem nach Jazz und Weltmusik offenen Sound Stilgrenzen eingerissen haben. Oder die kongolesischen Elektropunk-Hiphop-Fusionisten Kokoko, oder die japanischen Experimentalrocker Ooioo, oder das Duo Xylouris White, das Rock, Free Jazz und griechischen Folk zusammenbringt, oder, oder, oder…

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